Rente: "Alte keine Last für Junge!"
„Rente muss zum Leben reichen“, unter diesem Titel lud der DGB Ostsachsen kürzlich zu einer Diskussionsrunde mit Vertretern der politischen Parteien nach Bautzen ein. Schwerpunkt der Veranstaltung war vor allem die Problematik der drohenden Altersarmut infolge von Lohndumping, Erwerbsunfähigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit. Entsprechend der Brisanz der Thematik war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt.
Die Beiträge der unterschiedlichen Redner waren sehr interessant, wobei vor allem die Entwicklung demographischer Faktoren, vorgestellt von einer Mitarbeiterin des statistischen Landesamts Sachsen, sowie die persönliche Geschichte einer von Altersarmut bedrohten Frau im Gedächtnis hängen geblieben sind. Welche Rente steht mir denn im Alter überhaupt noch zu? Wird es mir noch möglich sein meinen Lebensstandard zumindest annähernd halten zu können? Welche Einschränkungen könnten auf mich zukommen? Fragen, die für den Einzelnen mit steigendem Lebensalter und dem somit näher rückenden Renteneintritt an Bedeutung gewinnen. Es ist zu erwarten, dass dieses Thema wohl gerade jetzt vor den anstehenden Bundestagswahlen wieder kontrovers diskutiertwird. Parteien am linken und rechten Rand werden versuchen dem Bürger auf schwierige Fragen wieder einmal vermeintlich einfache Antworten und Lösungsansätze zu präsentieren. Das stimmt mich nachdenklich, zumal der Anteil der Frustrierten zunimmt. Unbestritten muss die Rente zum Leben auskömmlich sein. Darunter verstehe ich allerdings nicht nur die Sicherstellung der Grundbedürfnisse zum Leben. Dazu zählt eben auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben! Wir dürfen nicht vergessen, dass es die ältere Generation, die Generation meiner Großeltern war, die ein Deutschland, wie es heute existiert, erst möglich gemacht hat - und zwar in beiden Teilen Deutschlands.
Dem Wunsch nach angemessenen Renten steht jedoch die Tatsache entgegen, dass zukünftig immer weniger arbeitsfähige Menschen für immer mehr Rentenbeziehern aufkommen müssen. Haben wir deshalb zu viele ältere Menschen, die unsere Sozialsysteme auf Kosten der „Jungen“ belasten? Ich meine: Ganz im Gegenteil, wir haben nicht zu viele Ältere sondern zu wenig junge Menschen. Dabei ist der Mangel an jungen Menschen nur ein Teil des Problems. Der Anteil derer, die ohne Schulabschluss bzw. abgeschlossene Berufsausbildung auf den Arbeitsmarkt treffen, ist zu hoch. Das wird umso mehr zu einem Problem, da dieser Teil der Erwerbsfähigen auf dem Arbeitsmarkt nur wenig bis gar keine Chancen hat und somit selbst auf staatliche Unterstützung angewiesen sein wird bzw. keine Beiträge in die staatliche Rentenkasse einzahlen kann.
Die Spirale, die hier beginnt, ließe sich endlos fortführen. Viele Ältere, wenig Junge, der Wunsch nach einem angemessenen Lebensstandard bei Alt und Jung, den sich die einen bereits erarbeitet haben, aber so teilweise nicht mehr finanziert bekommen, und die anderen sich noch erarbeiten müssen, aber teilweise nicht können.
Gibt es einen Weg aus dieser Misere? Sicherlich, es gibt Ansätze, die gegangen werden können und müssen. Bildung und Chancengleichheit sind zwei davon. Es führt kein Weg daran vorbei: Renten müssen einen an der im Arbeitsleben erbrachten Leistung angemessenen Lebensabend ermöglichen. Hier sind tragfähige Konzepte und Lösungen gefragt die den Bedürfnissen und Erwartungen aller Generationen gerecht werden. Populistische Lösungen, egal ob von links oder rechts, werden uns hierbei nicht weiter bringen!
Die interessante Diskussion der DGB-Veranstaltung hat gezeigt, wie sehr das Thema die Bürger auch in unserer Stadt und Region bewegt. Letztlich wird es in Zukunft auch darauf ankommen, dass von der Politik Lösungen entsprechend kommuniziert und vernünftig erklärt werden. Wie soll der Bürger sonst ein Verständnis für die komplexe Gesamtsituation zum Thema Rente entwickeln? Es gibt eben leider keine einfachen Antworten auf schwierige Fragen!
aktualisiert von Sascha Bock, 17.04.2009, 18:48 Uhr